Ein Abstecher in die Vergangenheit und Entwicklung unseres Mediums


01.04.2020 - Oliver Lillot

Ein Abstecher in die Vergangenheit und Entwicklung unseres Mediums

In unserer Welt dreht sich vieles um harte und messbare Fakten.

Keine Frage: Durchschnittskontakte, GRP, Nettoreichweite und andere Faktoren werden uns im Alltag immer begleiten, aber kennen wir eigentlich alle den Ursprung des Mediums bzw. dessen Entwicklung?

Vorweg sollte klar sein, dass in diesem kurzen Blogeintrag nicht auf jede Entwicklung explizit eingegangen werden kann. Begeben wir uns doch einfach mal auf eine kurze Zeitreise.

Zugegebenermaßen beginnt es etwas technischer, aber wusstet Ihr, dass einer der ersten Erfinder des Hörfunks der berühmte Thomas Alva Edison war? Ihm haben wir den im Jahr 1877 vorgestellten Zinnfolienphonographen zu verdanken.

Hierbei handelt es sich um ein Gerät, welches die akustisch-mechanischen Aufnahme und Wiedergabe von Schall mithilfe von Tonwalzen ermöglichte und als Basis für andere ähnliche Erfindungen, wie dem Grammophon diente.

Der drahtlose Rundfunk basiert auf der Entdeckung der magnetischen Wellen durch Heinrich Hertz im Jahr 1886. Diese Technik wurde in den darauffolgenden Jahren zur Übertragung telegrafischer Nachrichten genutzt. Im Jahr 1897 gelang dann erstmals eine drahtlose Übertragung über die Distanz von fünf Kilometern.

Vier Jahre später wurde bereits über den Atlantik gefunkt.

Dies war ein großer Meilenstein in der Kommunikation, da durch die Entstehung der Radiotechnik See- und Flugfunk revolutioniert wurden und die Morsezeichen mit und mit ablöste. Denn anfangs dachte noch niemand an „Unterhaltungsrundfunk“ sondern an den kommerziellen und militärischen Nutzen, eine Nachricht an viele Empfänger zu verbreiten.

Wer den Pariser Eifelturm mit einem Wahrzeichen und Sehnsuchtsort der Liebe verbindet, weiß nicht zwangsläufig, dass dieser Ort nicht immer nur für Emotionalität stand, sondern ganz pragmatische Aufgaben erfüllte. 1910 begann durch eine errichtete Sendeanlage auf dem Turm die erste regelmäßige Ausstrahlung eines Zeitsignals im Umkreis von tausenden Kilometern.

Das erste ausgestrahlte Hörfunkprogramm fand an einem ganz besonderen Tag statt: Heiligabend im Jahr 1906. Bestandteile waren vorgelesene Bibeltexte, Schallplattenmusik vom Grammophon und dem live auf Violine gespielten Lied „O Holy Night“. Die Reichweiten steigerten sich schnell von ca. 60km auf eine Entfernung von über 1300km.

Heute wissen wir, dass Radioprogramme aus der ganzen Welt empfangbar sind. Hier hilft uns doch tatsächlich die Moderne des Internets weiter, welches den Zugriff auf die Simulcast-Programme vieler Sender ermöglicht.

1909 nahm der erste Nachrichtensender seinen Betrieb auf und strahlte regelmäßig sein Programm aus.

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs war allerdings nicht besonders förderlich für die weitere Entwicklung des drahtlosen Funks. Länder verfolgten teilweise rigorose Maßnahmen gegen Radiopioniere und entzogen nicht selten Sende- und Empfangslizenzen.

Zu Unterhaltungszecken diente der Rundfunk zunächst in den Niederlanden und den USA. Am 28. Oktober 1923 war es dann auch in Deutschland so weit. Aus dem Berliner Voxhaus wurde Foxtrott gespielt.

Damals bestimmte noch der Staat die Technik und Inhalte des Rundfunks, da die Politik skeptisch gegenüber dem Massenmedium war und Schindluder befürchtete. Der Radiopionier Hans Bredow setzte sich jedoch vehement dafür ein, da er die Möglichkeit sah, die Hörer zu bilden und zu unterhalten.

Die Nationalsozialisten hatten nach ihrer Machtübernahme nur wenig Mühe, die Art von Zäsur im Rundfunk aus der Weimarer Republik wieder aufzugreifen.

Propagandaminister Joseph Goebbels ließ ein billiges Gerät mit dem Namen Volksempfänger produzieren. Die auch liebevoll genannte „Goebbelsschnauze“ machte es möglich ausländische Programme zu empfangen, allerdings war es – wen überrascht es - streng untersagt Feindsender, wie z.B. den der britischen BBC zu hören. Die Weitergabe der Feindsender-Information stand unter Todesstrafe.

Heute kann jeder Podcaster oder Webradiosender zu 99% senden was er möchte.

Habt ihr Euch eigentlich jemals gefragt, wieso wir UKW-Radios nutzen und die Mittelwelle bei uns keine Berechtigung mehr hat, obwohl sie damals durch große Reichweiten bestach?

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Frequenzen auf der Kopenhagener Wellenkonferrenz 1948 neu verhandelt. Deutschland, als besetzte Nation, bekam nur wenige, schlechte Frequenzen, da die Deutschen ja ohnehin keinen zentralen Rundfunk mehr besitzen sollten.

Die Alternative waren die noch heute immer gängigen Ultrakurzwellen, die allerdings nur sehr kurze Reichweiten, dafür aber eine bessere Qualität hatten.

Die ersten UKW-Sender hatten zunächst nur wenige Hörer, da für den Empfang teure Radiogeräte benötigt wurden, welche während des Wirtschaftswunders schwer erhältlich waren.

Durch die Einführung des Fernsehens, bekam das Medium Radio eine immer größer werdende Konkurrenz.

In den 50er Jahren zählte man 84.000 Fernsehgeräte in deutschen Wohnzimmern, zehn Jahre später waren es bereits acht Millionen. Die goldenen Jahre des Radios schienen vorbei zu sein.

Das einzige Gegenmittel hieß Diversifizierung!

Und so mauserte sich das Radio vom einstigen Feierabendunterhalter mehr und mehr zum Begleiter durch den Tag.

Bis zur Entwicklung des Pop-Radios in den 1970er Jahren schalteten die Hörer das Radio ganz gezielt für eine bestimmte Sendung ein. Auf die Hitparade folgte Klassik, Nachrichten und dann ein Hörspiel. Jeder Hörer hatte zwar so seine Lieblingszeit bzw. Unterhaltung, aber keinen Lieblingssender.

Schnell überlegte man sich, dass die Hörer nicht mehr lange auf ihre Sendung im Radio warten sollen, sondern das Radio sie durch den ganzen Tag begleiten solle.

Die veränderten Hörgewohnheiten brachten mehr Abwechslung, mehr Nachrichten, schnellere Berichterstattung und viel Musik.

Pioniere waren Bayern 3, hr3 und SWF3 Anfang und Mitte der 1970er Jahre.

Einen großen Wandel für die öffentlich-rechtlichen Sender brachte das Bundesverfassungsgericht mit einem Urteil im Jahr 1981. Der Privatfunk entstand!

In Deutschland entstand der Privatfunk relativ spät, da wie zunächst weltweit der Rundfunk als öffentliche Aufgabe verstanden wurde. Radiostationen befanden sich im Staatsbesitz bzw. unter öffentlicher Kontrolle. Das Medium war so natürlich hinsichtlich der Verbreitung bestimmter Informationen besser kontrollierbar.

Die Mediennutzung von Hörfunk betrug 1975 und 1992 noch 95 bzw. 96 Minuten durchschnittlich am Tag. Mitte der 2000er stieg der Wert dann auf 221 Minuten am Tag an. Das sind über dreieinhalb Stunden in denen der Durchschnitts-Bürger aktiv Radio hört oder es zumindest als Begleitmedium nutzt.

Aktuell liegt der Wert noch immer bei ca. drei Stunden, obwohl andere Medien wie Facebook und Co. in dieser Zeit an immenser Bedeutung gewonnen haben.

Manch ein Leser mag sich oft über sich selbst erschrecken, wenn seine angezeigte Bildschirmzeit auf dem Smartphone zwei-, drei- oder noch mehr Stunden beträgt. Aber ist es nicht Wahnsinn, dass wir genauso lange Radio hören und sich so ein Großteil des Tages die Botschaften unterbewusst in unseren Kopf bohren?

Dies verdeutlicht die weiterhin beträchtliche Relevanz des Mediums, welches fälschlicherweise oftmals als veraltet tituliert wird.

Wie wir rückblickend feststellen können, ist das Radio bereits viele Tode gestorben. Bewegbild hat es bereits überstanden, aber wird Radio auch weiterhin der Macht des Internets standhalten oder diese sogar weiter für sich nutzen? Vielleicht bieten sich hier aber auch weitere Chancen als nur Webstreams oder beliebige Podcasts. Eins ist sicher: Wir alle dürfen gespannt sein, was unser „altmodisches“ Medium noch so alles drauf hat ;-)

Oliver Lillot arbeitet bei ANY EVER im Projektmanagement. Als Mitarbeiter im operativen Geschäft kümmert sich Oliver um alle Angelegenheiten, die von Kundenseite aus an ANY EVER herangetragen werden. Hierzu zählen u.a. die organisatorische Abwicklung von Kreation & Produktion sowie die Erstellung von regionalen oder nationalen Mediaplänen für Kunden wie Lifta, Mercedes oder Red Bull.